Dillingen

Ein kultureller Treffpunkt für alle

Mit seiner neu gegründeten Treuhandstiftung macht Kulturerbe Bayern das künstlerische Vermächtnis des Malers Lothar Schätzl zugänglich

Mit großem Enthusiasmus haben die Mitglieder des Stiftungsrats der Lothar Schätzl-Stiftung ihre Arbeit aufgenommen. Das sind neben Dr. Dagmar Dietrich (re.) und Alfred Saur (2. v. li.) die Historikerin Dr. Felizitas Söhner (li.) und der Historiker und Stadtheimatpfleger Dr. Arnold Schromm (3. v. re.) sowie mit dem Architekten und Heimatpfleger im Werdenfelser Land Alexander Wanisch (2. v. re.) ein ehemaliger Kollege und mit dem Ehepaar Ingrid und Albrecht Witte (3. v. re.) langjährige Freunde des Architekten und Stifters Lothar Schätzl.

Foto: Kulturerbe Bayern

Dillingen an der Donau, 21. Juli 2020. – Mitten in der Altstadt von Dillingen erwacht ein geschichtsträchtiges, in einen weitläufigen Garten eingebettetes Haus aus seinem Dornröschenschlaf: In unmittelbarer Nachbarschaft zum einstigen Jesuitenkolleg mit der Studienkirche und zur Stadtpfarrkirche befindet sich das ehemalige Wohngebäude des Malers und Kunsterziehers Lothar Schätzl. Das Anwesen an der Konviktstraße soll als Kunst- und Kulturzentrum ein echter Anlaufpunkt für Dillingen, die Region und darüber hinaus werden. Hierfür wird die bayernweit tätige Initiative Kulturerbe Bayern gemeinsam mit der von ihr verwalteten, neu gegründeten Lothar Schätzl-Stiftung Sorge tragen. „Wir laden alle ein, als Mitglieder, freiwillige Helfer oder Spender, Teil unserer Bewegung zu werden und auf diese Weise dabei mit zu helfen, dass Kulturgüter wie das Künstlerhaus Lothar Schätzl mit ihren einzigartigen Geschichten auf Dauer zu lebendig genutzten Orten werden, die allen offen stehen“, so Alexander Freiherr von Hornstein, Mitglied im Vorstand der Stiftung Kulturerbe Bayern.

Die Initiative hat es sich zur Aufgabe gemacht, als „bayerischer National Trust“ wie das große englische Vorbild den Wert des gebauten und gewachsenen kulturellen Erbes den Menschen möglichst unmittelbar erfahrbar zu machen. Dies geschieht zum Beispiel, indem freiwillige Helfer beim Erhalt der Kulturschätze mit anpacken. Zudem will Kulturerbe Bayern vor allem dort wirken, wo keine anderen Lösungen mehr möglich erscheinen und der Verlust unwiederbringlicher Kulturgüter droht. Diese Gefahr zeichnete sich auch in Dillingen ab: Die Gründung der Lothar Schätzl-Stiftung hat der 2017 verstorbene, gleichnamige Sohn und Erbe Lothar Schätzls in seinem Testament verfügt. In dem Dillinger Künstlerhaus aufgewachsen und beruflich als Denkmalpfleger, Architekt und langjähriger Leiter der Bauabteilung der Bayerischen Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen tätig, war es ihm ein großes Anliegen, das Werk seines Vaters zu bewahren und das historische Gebäude mit seiner Geschichte und seinem Garten einer interessierten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Dieser Wunsch konnte erst verwirklicht werden, als sich mit Kulturerbe Bayern eine Einrichtung fand, die bereit war, die Treuhänderschaft für die nicht selbstständige Stiftung zu übernehmen. Die gemeinsame Aufgabe von Kulturerbe Bayern und Lothar Schätzl-Stiftung ist es, das Gedenken an Vater und Sohn Schätzl zu bewahren und das Anwesen in Dillingen zu einem überregionalen kulturellen Treffpunkt auszubauen. Die Kunsthistorikerin Dr. Dagmar Dietrich, Lebensgefährtin des Architekten Lothar Schätzl, hat den Vorsitz im Stiftungsrat übernommen und kann so dazu beitragen, den Willen des Erblassers zu verwirklichen. Sie ist dankbar, dass die Lothar Schätzl-Stiftung nunmehr unter dem Dach von Kulturerbe Bayern eine Heimat gefunden hat und das Dillinger Wohngebäude schon bald für verschiedene kulturelle Aktivitäten offen stehen wird. Bereits am kommenden Sonntag, 26. Juli 2020, führt der Kulturring Dillingen eine erste Veranstaltung im Künstlergarten durch: Er lädt zu einem Jazz-Frühschoppen mit dem Andy-Weiß-Trio ein. Der Eintritt ist frei.

In dem 1889 im Stil des Historismus nach Norden hin an die einstige Dillinger Stadtmauer gebauten Wohnhaus, in dem der Künstler Lothar Schätzl lange Jahrzehnte mit seiner Familie lebte, werden Besucher bei Führungen durch Räume und das nahezu unveränderte Atelier des Malers das persönlich geprägte Ambiente des Künstlerhauses erfahren können. In einem jüngeren Anbau an das Wohngebäude soll in absehbarer Zeit ein vielseitig nutzbarer Saal eingerichtet werden, der den Bürgerinnen und Bürgern von Dillingen und Umgebung für Kunstausstellungen, für Konzerte, Lesungen, Vorträge, Kabarettveranstaltungen und Workshops offenstehen soll. Alfred Saur, stellvertretender Vorsitzender des Stiftungsrats der Schätzl-Stiftung und gleichzeitig Geschäftsführer des Kulturrings Dillingen, ist sich sicher, dass der neue kulturelle Treffpunkt eine wichtige Lücke in der Stadt schließt: „Mit dem neuen Raum schaffen wir einen tollen Rahmen für Veranstaltungen mit 50 bis 80 Besuchern. Das Engagement der Lothar Schätzl-Stiftung und von Kulturerbe Bayern stellt somit eine sehr begrüßenswerte Bereicherung für das Leben in Dillingen dar. Wir wünschen uns, dass möglichst viele Menschen an unserer Arbeit teilhaben und sich selbst auch beteiligen – sei es, dass sie bei der Organisation von Veranstaltungen helfen, Führungen durch das Atelier halten oder sich an der Pflege des weitläufigen Gartens beteiligen.“

Der 1914 geborene und 2006 verstorbene Maler Lothar Schätzl hinterließ ein reiches und vielfältiges Werk. Überregionale Bedeutung erlangte er vor allem als gefragter Porträtist, der während seiner langen Schaffenszeit zahllose Menschen seiner engeren Umgebung, aber auch über Bayern hinaus mit außerordentlicher künstlerischer Qualität und Einfühlungsvermögen im Bild festhielt. Ebenso hinterließ er eindrucksvolle Charakterstudien von Persönlichkeiten aus Gesellschaft, Geistesleben und Politik. Die Diözese Augsburg verdankt ihm die offiziellen Bildnisse zweier Bischöfe. Zu den Porträtierten gehörten auch zahlreiche bekannte Bühnenkünstler, darunter der Sänger und Schauspieler Johannes Heesters.

Ein weiteres künstlerisches Thema, dem sich Schätzl mit Leidenschaft widmete, war die Darstellung von Landschaften mit den sie prägenden Architekturen, wie er sie auf seinen Reisen vor allem in südliche Länder erlebte. Aber auch in seiner engeren Heimat fand er zahllose Bildmotive, die er in Skizzen, Zeichnungen und Gemälden festhielt, um so dem Betrachter die Schönheit und Geschichte seiner Heimatstadt Dillingen und des ländlichen schwäbischen Umlandes nahezubringen.

Als Kunsterzieher am Dillinger Gymnasiums weckte Schätzl mit großem Engagement bei vielen Schülergenerationen das Interesse für die Geschichte der bildenden Kunst und die Begeisterung für eigenes künstlerisches Gestalten.

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